Nordische Ski WM: Sundling und Klæbo holen Gold im Langlauf-Sprint – Bronze für Fähndrich

Kristine Stavaas Skistad (NOR), Jonna Sundling (SWE), Nadine Faehndrich (SUI), (l-r) © Modica/NordicFocus

Im Skilanglauf wurden bei der Nordischen Ski WM in Trondheim die ersten Weltmeister gekürt. Im Freistilsprint heißen die glücklichen Sieger Jonna Sundling und Johannes Høsflot Klæbo. Über die Bronzemedaille konnte sich Nadine Fähndrich freuen.

Sundling wird Favoritenrolle gerecht

Jonna Sundling (SWE) © Modica/NordicFocus

Nachdem zuvor einige Mitfavoritinnen wie Emma Ribom, Johanna Hagström, Jessie Diggins und Jasmi Joensuu gescheitert waren, kam es im Finale zum langerwarteten großen Schlagabtausch zwischen der im Prolog wieder klar dominierenden Jonna Sundling und Norwegens Hoffnung Kristine Stavås Skistad – vor den Augen der norwegischen und schwedischen Königsfamilie, die sich eine Loge teilten. Beide gingen mit Vollgas in das Finale und keine wollte nachgeben, so dass zu den anderen Läuferinnen schon eine Lücke aufging und nur Nadine Fähndrich einigermaßen mitgehen konnte. Nach dem ersten Anstieg hatte die Schwedin auch schon eine Lücke auf Skistad, die nicht so gut über die Kuppe gekommen war und als sie nach der Abfahrt durch die Beine sah, nahm sie etwas Geschwindigkeit heraus, so dass die Gruppe wieder herankam. Die gesparten Kräfte spielte sie dann im zweiten Anstieg aus und gab Skistad damit den Rest, die die Verfolgung der Schwedin aufgab. Stattdessen bekam die Norweger oben an der Kuppe Gesellschaft von Fähndrich, die auf der Kuppe und in der Abfahrt wieder den Anschluss verlor. Im Ziel war Fähndrichs Jubel über ihre erste Einzelmedaille aber groß. „Das fühlt sich großartig an, dafür habe ich so viel trainiert. Es ist toll, wenn die Form und die Ski dann am richtigen Tag passen. Meine Vorbereitung verlief sehr gut, ich hatte ein paar Weltcups, dann Training und dann noch ein paar Tage hier“, erzählte Sundling, für die ihr fünfter WM-Titel dennoch etwas Besonderes ist, weil sie ihn in Norwegen holte. Maja Dahlqvist führte die zweite Gruppe ins Ziel und belegte Platz vier vor Julia Kern und Lotta Udnes Weng, die im Finale nicht mehr mithalten konnte.

Auch Klæbo nicht zu schlagen

Johannes Hoesflot Klaebo (NOR) © Modica/NordicFocus

Nach einem Rückschlag durch den Ausfall von Valnes war Johannes Høsflot Klæbo der einzige Norweger, der es bei der Heim-WM ins Finale schaffte. Für Matz William Jenssen war im Viertelfinale nach Sturz Dafür agierte der Lokalmatador ungewöhnlich offensiv und bestritt schon Viertel- und Halbfinale von vorn. Das erwies sich wegen der vielen Stürze in der Zielkurve, die immer tiefer und eisiger wurde, als richtige Taktik, wie einige andere erleben mussten. Im Finale bestimmte er vor Federico Pellegrino das Tempo, der bei seiner letzten WM noch einmal eine Medaille gewinnen wollte. In der Abfahrt kam der Norweger aus Pellegrinos Windschatten und attackierte bergauf. In der zweiten Abfahrt hinunter zur gefährlichen Kurve überzeugte sich der Italiener mit einem Blick durch die Beine, dass die Lücke nach hinten groß ist und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Im Endspurt hatte er Klæbo erwartungsgemäß nichts entgegen zu setzen und jubelte über seine Silbermedaille: Schon 2027 standen beide zusammen auf dem WM-Podium, als Pellegrino Weltmeister wurde und der junge Klæbo in seinem ersten Weltcupjahr Bronze gewann. „Ich habe keine Worte dafür. Es war so unglaublich mit diesen vielen Zuschauern, das ist ganz etwas anderes. Das ist einfach Trondheim und das ist großartig“, sagte der Norweger nach dem Sieg vor seiner Haustür. „Ich war auf jeden Fall sehr nervös. aber jetzt ist es besser. Tusen takk, Trondheim. Kommt am Samstag wieder, das wird wieder toll!“, versprach er. Um die Bronzemedaille entbrannte noch ein enger Kampf und schließlich triumphierte Lauri Vuorinen knapp vor dem WM-Dritten von Planica, Jules Chappaz. Michal Novak wurde nach seinen späten Saisonstart starker Fünfter, aber auch begünstigt durch das Sturzpech anderer im Viertelfinale. Rang sechs ging an Lucas Chanavat. Nicht im Finale vertreten war Mitfavorit Edvin Anger, der nach zweiter Prolog-Zeit in den Heats keinen guten Eindruck hinterließ. Schon das Viertelfinale überstand er nur um Haaresbreite, im Halbfinale reichte es dann nicht mehr. 

Das sagt Schlickenrieder zu den angeschlagenen Sprinterinnen

Peter Schlickenrieder (GER) © DSV

Im Trainingslager in Sollefteå wurde das deutsche Team leider von Infekten heimgesucht. Coletta Rydzek und Sofie Krehl meldeten sich nach leichteren Erkältungen startklar, für Laura Gimmler mit einem fieberhaften Infekt mit 39°C kurz vor dem WM-Start reichte es nicht. Darum sagte Teamchef Peter Schlickenrieder vor dem Rennen: „Wir haben nur mehr Außenseiterchancen, nachdem unsere zwei besten Sprinterinnen kurzfristig krank geworden sind. Coletta Rydzek hat es Anfang des Trainingslagers erwischt und die Laura Gimmler jetzt zum Schluss. Sie ist jetzt gesundheitsmäßig übern Berg, aber kann natürlich nicht starten. Wenn wir ein Finale schaffen, dann sind wir super super glücklich. Bei den Herren wären wir schon mit einem Halbfinale super glücklich.“

Rydzek schafft Sprung ins Halbfinale

Coletta Rydzek (GER) © Modica/NordicFocus

Coletta Rydzek war vor dem Start selbst nicht so optimistisch gewesen wie sie es ohne die Krankheit gewesen wäre. Nach der Qualifikation sagte sie am FIS-Mikrofon: „Ich freue mich, am Start zu stehen. Die Atmosphäre ist toll, die Zuschauer sind so laut. Die Strecke ist etwas weich, die Kurven sind sehr tief, aber heute völlig in Ordnung und ich hoffe, es bleibt so für später. Heute morgen habe ich gezweifelt, ob ich die Quali überhaupt schaffe, aber dann habe ich auf die Zeit geguckt und war überrascht. Ich werde nachher alles geben und hoffe, dass ich so lange wie möglich dabei bin. Das Halbfinale wäre schön.“ Dieses Ziel konnte die Oberstdorferin sich erfüllen, obwohl sie im Viertelfinale zwischenzeitlich etwas eingebaut war. Als Dritte ging sie in die Abfahrt und qualifizierte sich mit einem starken Sprint fürs Halbfinale, wo sie die Kräfte schnell verließen. Durch den Sturz von Johanna Hagström und einen guten Sprint wurde sie noch Vierte, was Platz acht und die beste WM-Platzierung der 27-Jährigen bedeutete. Damit zeigte sie sich relativ zufrieden: „Teils teils“, sagte sie. „Hätte es vor einer Woche mir jemand gesagt, dass ich heute Achte werde, hätte ich das sehr dankend genommen. Aber klar, man will immer als Sportler so weit kommen wie möglich. Aber ich hab heute, glaube ich, alles gegeben was ging, es war dann heute leider nicht mehr drin.“

Carl und Hoffmann mit starkem Viertelfinale

Victoria Carl (GER) © Modica/NordicFocus

Auch Victoria Carl und Helen Hoffmann zeigten ein überzeugendes Viertelfinale, konnten den Sprung unter die besten Zwölf aber knapp nicht schaffen. Beide wurden in ihrem Lauf Dritte und erreichten damit die Plätze 15 und 16. „Ich hatte ein bisschen Pech, ich wollte eigentlich nach der ersten Abfahrt an den Wellen vorbeigehen, aber da habe ich hinter Emma Ribom festgesteckt und war da einfach ein Stück zu weit hinten. Wir hatten aber super Material und ich hab nochmal eine super Zielgerade gemacht und bin einfach fit für die kommenden Wettkämpfe“, freute sich Victoria Carl und auch Ersatzfrau Helen Hoffmann konnte mit ihrem Ergebnis und ihrem ersten WM-Start bei den Großen sehr zufrieden sein: „Man wünscht sich ja schon, dass man weiterkommt, aber was soll man machen. Da fehlt es dann noch ein bisschen“, sagte die U23-Weltmeisterin. Sofie Krehl kam als 26. in die Wertung. Damit qualifizierten sich alle vier DSV-Damen für die besten 30, was Peter Schlickenrieder zufrieden stimmte: „Positives Fazit bei den Frauen, wir haben vier Mädels am Start gehabt und alle Mädels in den Finals. Das war schon sehr positiv, vor allem nach dem Ausfall von Laura Gimmler die ja wirklich als letzte von den drei Sprinterinnen krank wurde, zuerst hat es die Coletta erwischt, dann die Sofie und zum Schluss jetzt die Laura. Das die Coletta die zweite Runde übersteht, ist sehr gut. Man sieht, dass wahrscheinlich der Infekt bei ihr wohl nicht so brutal reingeschlagen hat wie wir befürchtet haben. Aber wenn man die Finalläufe gesehen hat, dann muss man auch ehrlich sein: Um eine Medaille hätten wir heute in Topform auch nicht mitgekämpft.“

Stölben im Sturzpech

Jan Stoelben (GER), Janik Riebli (SUI), (l-r) © Modica/NordicFocus

Auch für Jan Stölben, der sich als einziger DSV-Läufer für die besten 30 qualifizierte, hätte es einen Weg ins Halbfinale geben können, der aber im Sturz endete. Zuvor hatte er wie schon in vielen Sprints vom Trainerteam kritisiert wurde, wieder das Tempo bestimmt und ging als Erster in die Abfahrt. Vor der Zielkurve ging dann Janik Riebli vorbei, was für beide das Ende war. Als Riebli auf der Eisplatte ausrutschte, konnte der 23-Jährige nicht mehr ausweichen und kam ebenfalls zu Fall. Er beendete den Wettkampf dennoch als guter 21. Peter Schlickenrieder sagte nach dem Sturz: „Das war einfach richtig schade. Es war sein absolut bester Lauf, den ich bisher in seiner Karriere gesehen habe und wenn es dann so ausgeht, dass man durch ein Fremdverschulden stürzt und nicht ins Halbfinale einzieht, ist sehr sehr schade.“ Jan Stölben selbst meinte enttäuscht: „Heute gerade an einem Tag, wo eigentlich fast alles gut zusammenläuft, die Form da ist, eine Riesenstimmung ist, wo man sich das ganze Jahr drauf gefreut hat und dann sowas passiert, dann ist der Frust schon sehr sehr hoch. Aber das gehört im Sport leider dazu, gerade im Sprint braucht man ein bisschen Glück und das hatte ich heute leider nicht gehabt. Ich bin stolz drauf, hier so eine Leistung gezeigt zu haben. Auch wenn es dann nicht mit dem belohnt wurde, was vielleicht drin gewesen wäre, kann ich trotzdem stolz drauf sein, wie ich hier gelaufen bin.“ Dennoch überwiegt heute die Enttäuschung, aber … „Heute ist es sehr sehr schwer, aber ich habe noch ein paar Jahre und ich komme wieder“, kündigte er an. Elias Keck hatte das Viertelfinale als 32. nur um fünf Hundertstelsekunden verpasst, Marius Kastner fehlten etwa 1,5 Sekunden zum Weiterkommen. 

Freud und Leid im Schweizer Team

Kristine Stavaas Skistad (NOR), Jonna Sundling (SWE), Nadine Faehndrich (SUI), (l-r) © Modica/NordicFocus

Mit der Bronzemedaille von Nadine Fähndrich war es ein gelungener Tag. Die 29-Jährige war selbst überrascht, dass es zu einer Medaille gereicht hat: „Ich kann es noch nicht fassen, es ist unglaublich!“, meinte sie im SRF Interview und fügte hinzu: „Ich treffe im Moment immer die richtigen Entscheidungen.“ Ihre Teamkollegin Anja Weber, die sofort zum Gratulieren im Zielraum war, wurde gute 19., während Alina Meier und Marina Kälin die Qualifikation nicht überstanden. Fähndrichs männliche Kollegen hatten nicht so viel Glück. Für Janik Riebli endete der Spricht im Viertelfinale in Führung liegend im Schnee, was Platz 26 bedeutete. Besser machte es der zweite Medaillenkandidat Valerio Grond, der ins Halbfinale kam, dort aber nach einem Kontakt mit einem Konkurrenten zurückfiel und nicht mehr um die ersten Plätze kämpfen konnte. Er belegte Rang neun und der erst 21-jährige Noe Näff wurde bei seinem WM-Debüt sehr guter 20. Roman Alder konnte sich nicht qualifizieren und wurde 40.

Auch Österreicher im Sturzpech

Benjamin Moser (AUT) © Modica/NordicFocus

Viel Pech hatten auch die Österreicher. Zwar konnte sich Magdalena Scherz über einen Platz im Viertelfinale freuen und wurde sehr gute 20., aber bei den Herren lief es nicht nach Plan. „Mir hat’s den Ski verschnitten und dann hab ich einen Bauchfleck gemacht“, schilderte Mrkonjic im ORF-Interview. Die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben, der ÖSV-Läufer brach in Tränen aus. „Ich habe mich heute eigentlich gut gefühlt“, so der 26-jährige Salzburger mit bosnischen Wurzeln, der die Qualifikation als 128. beendete. „So ist leider das Leben. Manche Tage sind einfach so, da kann man nichts machen.“ Nichts machen konnte auch Michael Föttinger, der auch ohne Sturz vorzeitig ausschied. Im Viertelfinale kam es dann erneut zu einem Sturz als Benjamin Moser mit einem Konkurrenten kollidierte und auch er seine Hoffnungen auf ein Weiterkommen enttäuscht begraben musste.

Svahn und Valnes verletzt

Linn Svahn (SWE) © Modica/NordicFocus

Mit Erik Valnes und Linn Svahn fehlen zwei ganz heiße Medaillenkandidaten wegen Verletzung. Erik Valnes musste am Dienstag absagen, nachdem er sich im Training beim Fahren der Zielkurve einen Hexenschuss zugezogen hatte. Ein Start im Zielsprint ist aber wohl noch nicht ganz ausgeschlossen, aber sehr unwahrscheinlich. Vorbei ist aber die WM definitiv für Linn Svahn nach einem Trainingssturz am Mittwoch. „Linn ist gestern im Training zu Sturz gekommen. Sie ist unglücklich auf den Hinterkopf gefallen und hat sich eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen. Sie hat sich schwindelig gefühlt danach, wir haben das Training abgebrochen und sie inzwischen nach Hause geschickt. Sie wird in den nächsten Tagen keine Rennen laufen können. Das Gehirn braucht einige Tage Ruhe, es wird wohl zwei Wochen dauern“, sagte der schwedische Teamarzt Rickard Noberius vor dem Rennen am FIS Mikrofon.

Fun Fact: Chinese disqualifiziert

Der gestern siegreiche Chinese Wuerkaixi Kuerbanjiang wurde nach dem heutigen Prolog disqualifiziert. Es gab ein Prolog mit seinen Ski und er wurde wegen unsportlichen Verhaltens aus dem Wettkampf genommen. Die Qualifikation überstanden hätte er natürlich ohnehin nicht. Der Team Manager Chinas sagte dazu: „Er wollte sich nach dem Fluor-Test seine Ski greifen, konnte sie aber nicht finden. Dann muss er sich ein falsches Paar Ski genommen haben“, so Bernhard Rønning. „Natürlich waren wir über die Disqualifikation nicht glücklich. Der Athlet mit Nummer 113 und mein Athlet kamen in Streit. Aber der Mann mit der 113 war zufrieden, denke ich, denn seine Ski waren okay. Aber natürlich war es auch für ihn ein ziemlicher Stress, weil auch er seine Ski nicht finden konnte.“ FIS Media Koordinatorin Synne Dyrhaug bestätigte gegenüber NRK die Disqualifikation: „Ja, das mit der Disqualifikation stimmt. Er hat die Ski eines anderen Athleten genommen und das hat den anderen vor Probleme gestellt.“ Bernhard Rønning hofft nun, dass so etwas nicht mehr vorkommt: „Wir nehmen nun die Strafe an und dann müssen wir daraus lernen. Wir müssen sehen, wie wir solche Fehler und weitere Aufenthalte im Juryraum in Zukunft vermeiden können.“

=> Ergebnis Sprint Freistil Damen
=> Ergebnis Sprint Freistil Herren

Langlauf-WM Trondheim zum Nachlesen

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=> Chinesische Dominanz bei erster Entscheidung bei Nordischer Ski WM Trondheim in Langlauf Qualifikation

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