Biathlon / Langlauf: Neuigkeiten von Christoph Sumann, Petter Northug, Elia Barp, Håvard Taugbøl, Roman Furger und Laurien Van der Graaff - xc-ski.de Langlauf

Biathlon / Langlauf: Neuigkeiten von Christoph Sumann, Petter Northug, Elia Barp, Håvard Taugbøl, Roman Furger und Laurien Van der Graaff

Petter Northug (NOR) © Reichert/NordicFocus

In der aktuellen Kurznews geht es um einen neuen Job, einen wohl hoffnungslosen Wunsch auf Nationenwechsel, Verletzungen, Rücktritte und Nachwuchs.

Sumann neuer Sportlicher Leiter Biathlon

Der ehemalige Weltklasse-Biathlet Christoph Sumann hat einen neuen Job. Das gab der ÖSV bekannt. Der 49-Jährige tritt die Nachfolge von Franz Berger an, der erst kürzlich von seinem Amt zurücktrat und der diese Position seit 2019 ausübte. Christoph Sumann zählt zu den erfolgreichsten, österreichischen Biathleten aller Zeiten und hat in seiner aktiven Zeit insgesamt vier WM- und ebenso viele Olympiamedaillen gewonnen. Zudem belegte der Steirer in der Saison 2009/10 im Gesamtweltcup den zweiten Rang. Sumann, der seine aktive Karriere nach der Saison 2013/14 beendete, war zuletzt mehrere Jahre als Biathlon-Experte für den ORF im Einsatz und will in den kommenden Jahren den heimischen Biathlonsport, vor allem in Hinblick auf die Heim-WM 2028 in Hochfilzen, in seiner neuen Funktion wieder zurück in die Erfolgsspur führen. „Die Vorfreude ist riesengroß. Ich darf in Zukunft meinen geliebten Biathlonsport aktiv mitgestalten. Es wird sicher eine große Herausforderung, aber ich kann in dieser Funktion definitiv etwas bewirken. Ich möchte gemeinsam mit meinem Team und natürlich den Athletinnen und Athleten die Zukunft des österreichischen Biathlonsports bestmöglich gestalten und formen – auf diese Herausforderung freue ich mich riesig“, sagte der neue Sportlicher Leiter Biathlon. Auch ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher freut sich über die Lösung: „Mit Christoph Sumann konnten wir einen ehemaligen Weltklasse-Athleten und absoluten Biathlon-Experten als neuen Sportlichen Leiter verpflichten und ich freue mich sehr auf die gemeinsame Zusammenarbeit. Seine Erfahrung und sein profundes Wissen im nationalen wie auch internationalen Biathlonsport sind unbestritten und ich bin mir sicher, dass unser Team unter seiner Führung sowohl bei den Herren als auch bei den Damen wieder den Anschluss an die Top-Nationen schaffen wird. Ich kenne Christoph schon lange, schätze ihn sehr und weiß, dass er ein absoluter Teamplayer ist. Deswegen erhoffe ich mir, dass er in Zukunft ein schlagkräftiges Team formen wird, das an einem Strang zieht und gemeinsam Erfolge feiern kann.“

Northug 2026 für Mexiko? Wohl kaum…

Petter Northug bei den Olympischen Spielen? Die Hoffnungen des 39-Jährigen schrumpfen immer mehr. Von den großspurig angekündigten weiteren Gesprächen mit Österreich im Rahmen der WM war nichts mehr zu hören, aber Mika Vermeulen und Teresa Stadlober äußerten sich unabhängig voneinander im Tenor: „Northug? Den brauchen wir nicht!“ Während der norwegischen Meisterschaften gab Petter Northug nun bekannt, sich in Gesprächen mit Mexiko zu befinden. Zudem bestätigte Österreichs Sportdirektor Mario Stecher dem Dagbladet, dass Northug nicht für die österreichischen Farben auflaufen werde. Nun also Verhandlungen mit Mexiko, die vom Botschafter Omar Fayad gegenüber NRK bestätigt wurden: „Er hat eine positive Verbindung zu Mexiko und wir besprechen aktuell einige Dinge. Warum sollten wir nicht wollen, dass Herr Northug wieder bei Weltmeisterschaften startet oder sogar bei den Olympischen Spielen? Wir werden alles dafür tun, dass seine Erfahrung auch den mexikanischen Athleten nützt, die sich für die Winterspiele 2026 in Italien qualifiziert haben.“ Laut Northug selbst führt er „ernsthafte Gespräche“ mit Mexiko – wie auch mit Österreich. Hoffnungen auf die Olympischen Spiele mit mexikanischem Pass darf er sich aber eigentlich nicht machen, auch wenn rechtlich nichts gegen einen Nationenwechsel spräche. So sagte Anwalt Mathias Lilleengen, der auch als Schlichter vor dem CAS tätig ist: „Die Regeln beinhalten verschiedene Lösungen für Athleten, die einem Nationenwechsel schon für ein anderes Land bei Olympischen Spielen angetreten sind. Generell muss man drei Jahre warten, nachdem man zuletzt für sein altes Land angetreten ist, bevor man für das neue startberechtigt ist.“ Das wäre nicht das Problem, denn sein letztes internationales Rennen bestritt er Ende 2017 mit einem Weltcup, die letzten Weltmeisterschaften 2017 und die letzten Olympischen Spiele sogar schon 2014. Nach seinem Comeback nach Gefängnisstrafe nahm er nur noch an Skimarathons und nationalen Rennen teil. Ein Problem sind aber sehr wohl die Bestimmungen der FIS. Der Athlet muss mindestens zwei Jahre in dem Land gelebt haben – das trifft weder auf Österreich noch auf Mexiko zu. Es gibt zwar Ausnahmen, die auf den 39-Jährigen aber nicht zutreffen. Sie gelten für Flüchtlinge, politisch Verfolgte oder ähnliches. Darum sagte FIS Generalsekretär Michael Vion auf Nachfrage der VG: „Wir haben noch nie einen Nationenwechsel erlaubt, ohne den gesamten Wechselprozess durchlaufen zu haben. Es reicht nicht, dass er den Wechsel will, das ist definitiv nicht genug. Wenn die Kriterien auf ihn nicht zutreffen und das ist wohl der Fall, wird es schwer für ihn. Welchen Grund sollte er für angeben? Nur dass es sein Wunsch ist? Das reicht nicht, denke ich.“
Petter Northug war gegen Ende seiner erfolgreichen Karriere eher als Enfant terrible bekannt geworden. Im Mai 2014 verursachte einen schweren Autounfall mit 1,65 Promille im Blut. Er beging Fahrerflucht und behauptete später sogar, sein Mitfahrer habe am Steuer gesessen, der sich bei den Unfall zudem verletzt hatte. Dafür wurde er zu 50 Tagen Haft, die er mit einer Fußfessel absitzen durfte, 185.000 Norwegischen Kronen Geldstrafe und fünf Jahren Führerscheinentzug verurteilt. Quasi direkt nach Wiedererlangung der Fahrerlaubnis wurde er im August 2020 wegen Raserei von der Polizei angehalten. Mehrfach war er mit über 200 km/h unterwegs, obwohl in Norwegen nirgends mehr als 100 km/h erlaubt sind. Die Raserfahrten hatte er gefilmt und im Video kommentiert. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei 10 Gramm Kokain, sowie MDMA. Northug erhielt diesmal sieben Monate Haft, die er in einer Entzugsklinik absaß.

Vorzeitiges Saisonende durch Rhythmusstörungen

Elia Barp hat in italienischen Team mit 22 Jahren den Durchbruch in die Weltspitze geschafft. Viermal lief er in dieser Saison unter die besten 15, darunter ist ein vierter Platz im Teamsprint. So war er auch bei der WM eine große Hoffnung der Azzurri, vor allem für den Teamsprint mit Federico Pellegrino. Aber zu diesem Zeitpunkt war das Talent aus Trichiana im Belluno bereits abgereist, nachdem im Skiathlon Herzrhythmusstörungen auftraten. Damit ist er nicht der erste Athlet, wie vor allem in dieser Saison oftmals bekannt wurde. Viele Athleten arrangieren sich mit den Beschwerden, andere wie Nadine Fähndrich oder Biathletin Ingrid Landmark Tandrevold unterzogen sich mit einer Katheterablationen einem kleinen operativen Eingriff. Zu diesen Sportlern gehört nun auch Elia Barp, für den zwar die WM und die Weltcupsaison beendet war, der aber bereits bei den Militär-Wettkämpfen und den italienischen Meisterschaften wieder ins Renngeschehen zurückkehrte. „Ich bin schneller zurück als gedacht, aber die Form ist nicht gut, weil ich ab Anfang März zwei Wochen fast nur im Bett verbrachte. Bei der WM traten Rhythmusstörungen auf und wir entschieden, das genauer zu untersuchen und nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“, sagte er zu Fondo Italia. „Es waren zwar keine bösartigen Herzrhythmusstörungen, aber es war besser, das direkt zu therapieren und für immer loszuwerden. Wir entschieden uns zu einer Operation, die vor etwa zwei Wochen stattfand. Wir sind das Problem direkt angegangen, um für die Olympische Saison bereit zu sein.“ Enttäuscht denkt der 22-Jährige dennoch an die verpassten Chancen bei der WM zurück. „Es war hart, abzureisen vor dem Teamsprint und der Staffel und dann zu sehen, wie knapp die Medaillen verpasst wurden – vielleicht wäre es mit mir anders ausgegangen. Das tat mir sehr leid für mich und meine Teamkollegen.“

Taugbøl wechselt auf die Langstrecke

Håvard Solås Taugbøl verzichtet freiwillig auf einen möglichen Platz im Nationalteam, für den seine Leistungen des letzten Winters aber auch sicher nicht gereicht hätten. Nun hat sich der 31-jährige Sprintspezialist entschieden, sein Glück in den Ski Classics zu suchen. Das gab er am ersten April bekannt – es handelt sich aber nicht um einen Aprilscherz. Er wird für das Team Ragde Charge der Aukland-Brüder ins Rennen gehen. „Das ist spannend. Wir haben schon lange geglaubt, dass Håvard ein Läufer ist, der großes Potential auf der Langstrecke hat. Er war oft im Halbfinale oder Finale in Sprints und wenn wir seine guten Fähigkeiten auf Skirollern hinzurechnen, denken wir, dass das gut passen wird“, sagte Anders Aukland.

Drei Rücktritte im Schweizer Team

Nach Jonas Baumann und Erwan Käser gab mit Roman Schaad ein weiterer Schweizer Langläufer seinen Rücktritt bekannt. Der 31-Jährige hat an zwei Olympischen Spielen und vier Weltmeisterschaften teilgenommen, wurde jedoch immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Der Schwyzer erlebte in seiner Karriere immer wieder Rückschläge durch Verletzungen. So war auch seine letzte Saison aufgrund von Knieproblemen „alles andere als einfach“, wie er sagt. „Jetzt hat mir mein Körper ein letztes Mal gezeigt, dass es Grenzen gibt, selbst dann, wenn der Kopf noch voller Träume ist. Das Feuer, an Grenzen zu gehen, brennt nicht mehr so stark wie früher.“ Deshalb sei es nun an der Zeit, neue Wege zu gehen und seine Karriere als Profilangläufer zu beenden. Bei seinen zwei Olympischen Spielen und vier Weltmeisterschaften konnte sich Schaad nur 2019 in Seefeld für ein Viertelfinale qualifizieren. Im Weltcup lief es aber besser und er kam viermal unter die besten Zahn eines Einzelsprints – so beispielsweise auch bei seinem allerersten Weltcup-Einsatz im Dezember 2013 in Davos. In Teamsprints verpasste er das Podest mit drei vierten und einem fünften Rang gleich mehrmals denkbar knapp.

Laurien Van der Graaff wurde Mutter

Solange sie noch aktiv war, sagte sie immer, sie würde erst nach ihrer sportlichen Karriere Mutter werden wollen und keine Babypause planen. Noch während sie Langläuferin war, machte Laurien Van der Graaff aber schon ihren Bachelor of Science in Sport and Biology und beendete 2022 ihre sportliche Karriere, in der ihr größter Erfolg die Silbermedaille im Teamsprint bei der WM 2021 ist wie auch zwei Weltcupsiege im Sprint sowie einer im Teamsprint. Dass die gebürtige Niederländerin, die als Vierjährige von Südholland in die Schweiz zog, inzwischen Mutter wurde, vermutlich im Laufe des Winters, erfuhr auch die Schweizer Öffentlichkeit nur durch einen Nebensatz auf Social Media, wo sie schrieb: „Letzte Fahrt der Saison. So viele Kilometer sind es dieses Jahr nicht geworden. Mehr waren es mit dem Baby.“ Van der Graaff ist seit vielen Jahren mit dem ehemaligen Langläufer, Trainer und heutigen Kunstmaler Andreas Waldmeier (42) liiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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